WG-Casting: Die besten Fragen an neue Mitbewohner (+ Fragebogen zum Ausdrucken)
Über 40 Fragen fürs WG-Casting – sortiert nach Alltag, Gemeinschaft, Finanzen, Gästen und Ruhezeiten. Stell dir deinen Fragebogen zusammen und druck ihn mit Platz für Notizen aus.
Ein WG-Casting dauert meist nur eine Viertelstunde. In dieser Zeit sollt ihr herausfinden, ob ihr mit einem fremden Menschen Küche, Bad und manchmal auch Sorgen teilen wollt. Das klappt nur, wenn ihr die richtigen Fragen stellt – und zwar nicht die, auf die jeder dieselbe Antwort gibt. „Bist du ordentlich?“ beantwortet niemand mit Nein.
In diesem Artikel findest du einen vollständigen Fragenkatalog für WG-Castings, sortiert nach Themen. Weiter unten kannst du dir daraus deinen eigenen Fragebogen zusammenklicken und ausdrucken. Außerdem geht es darum, wie ihr das Gespräch aufbaut, welche Fragen tabu sind und was du als Bewerberin oder Bewerber selbst fragen solltest.
Warum die Fragen beim WG-Casting so wichtig sind
Die meisten WG-Konflikte entstehen nicht durch große Charakterunterschiede, sondern durch Kleinigkeiten: Geschirr, das drei Tage in der Spüle steht. Ein Partner, der plötzlich fünf Nächte die Woche da ist. Eine Gemeinschaftskasse, in die nur die Hälfte einzahlt. Genau diese Themen lassen sich im Gespräch vorher klären – wenn man sie anspricht.
Gute Fragen beim WG-Casting haben drei Eigenschaften:
- Sie sind offen. „Wie sieht bei dir ein normaler Abend aus?“ verrät mehr als „Bist du abends oft zu Hause?“.
- Sie beziehen sich auf echtes Verhalten. Frag nach der letzten WG oder einer konkreten Situation statt nach Selbsteinschätzungen.
- Sie gehen in beide Richtungen. Ein Casting ist kein Verhör. Wenn ihr von euch selbst erzählt, wie ihr den Putzplan handhabt, antwortet das Gegenüber ehrlicher.
So baust du das Gespräch auf
Bewährt hat sich ein einfacher Ablauf in drei Teilen. Zuerst ein kurzer, lockerer Einstieg: Wohnung zeigen, etwas zu trinken anbieten, erzählen, wer ihr seid. Dann der Hauptteil mit fünf bis acht Fragen aus den Themen, die euch wirklich wichtig sind. Zum Schluss dreht ihr den Spieß um und fragt, was die Person von euch wissen möchte.
Mehr als zehn Fragen sind in einem 20-Minuten-Termin kaum unterzubringen. Wählt deshalb lieber gezielt aus, statt den ganzen Katalog abzuarbeiten. Sprecht vorher ab, wer welche Fragen stellt – so wirkt das Gespräch nicht wie ein Kreuzverhör, bei dem fünf Leute durcheinanderreden. Allgemeine Tipps zum Ablauf der Besichtigung selbst findest du in Die 5 Geheimnisse für erfolgreiche WG-Besichtigungen.
Der Fragenkatalog fürs WG-Casting
Die folgenden Fragen sind nach Themen sortiert. Nimm sie als Baukasten: Nicht jede WG braucht jede Kategorie, und manche Fragen passen besser in die zweite Runde als ins erste Kennenlernen.
Alltag & Sauberkeit
Sauberkeit ist der Klassiker unter den WG-Streitthemen. Weil jeder darunter etwas anderes versteht, solltest du nicht nach dem Ergebnis fragen („Bist du sauber?“), sondern nach den Abläufen. Wie stellt sich die Person einen Putzplan vor? Was stört sie in einer Küche am meisten? Wie lange darf Geschirr stehen bleiben? Aus der Antwort auf die letzte Frage lässt sich oft mehr ablesen als aus jeder Selbstbeschreibung – vor allem, wenn sie mit einem Lachen und einer Geschichte aus der letzten WG kommt.
Auch der Alltag gehört hierher: Wird viel gekocht? Gibt es Haustiere oder Pläne dafür? Wie sollen gemeinsame Dinge wie Spülmittel und Klopapier organisiert werden?
Gemeinschaft
Die wichtigste Frage in diesem Bereich lautet: Zweck-WG oder Gemeinschaft? Beides ist völlig in Ordnung, nur nicht gemischt. Wer sich auf gemeinsame Kochabende freut, wird in einer WG unglücklich, in der jeder mit seinem Teller ins Zimmer verschwindet – und umgekehrt.
Frag außerdem, wie die Person mit Konflikten umgeht. „Wie sprichst du es an, wenn dich etwas stört?“ ist eine der aufschlussreichsten Fragen überhaupt. Wer dabei von Zetteln am Kühlschrank erzählt, hat ein anderes Verständnis von Kommunikation als jemand, der lieber direkt beim Abendessen darüber redet.
Finanzen
Über Geld spricht man ungern, in einer WG muss man es trotzdem. Es geht dabei nicht um Kontoauszüge, sondern darum, ob die Miete dauerhaft gesichert ist und wie gemeinsame Kosten aufgeteilt werden. Eine offene Frage wie „Wie finanzierst du die Miete?“ reicht in der Regel. Dazu kommen praktische Punkte: Gibt es Erfahrung mit einer Gemeinschaftskasse? Wie lange möchte die Person bleiben? Ab wann könnte sie einziehen und die Kaution zahlen?
Wenn ihr als WG einen Hauptmieter habt, der gegenüber dem Vermieter haftet, ist dieser Teil besonders wichtig. Eine formale Mieterselbstauskunft braucht ihr für ein WG-Zimmer aber meist nicht.
Gäste & Partner
Besuch ist in vielen WGs ein heimlicher Konfliktherd. Dabei lässt sich das Thema gut vorher klären: Wie oft kommt Besuch? Gibt es eine Partnerin oder einen Partner, der regelmäßig übernachten würde? Wie steht die Person zu Partys in der Wohnung? Und ab wann sollte sich jemand, der faktisch mitwohnt, an Strom und Wasser beteiligen?
Hier gibt es keine richtigen oder falschen Antworten – nur passende und unpassende. Sagt deshalb auch offen, wie es bei euch läuft.
Lärm & Ruhezeiten
Frühaufsteher und Nachteulen können wunderbar zusammenwohnen, wenn alle davon wissen. Frag nach Arbeitszeiten, Homeoffice und Schichtdienst, nach Musik und Instrumenten und danach, wie wichtig Ruhe unter der Woche ist. Auch das Thema Rauchen gehört hierher, inklusive der Frage, wo geraucht wird.
Persönliches & Kennenlernen
Diese Fragen bilden den Rahmen des Gesprächs, am besten zu Beginn: Was macht die Person beruflich oder im Studium? Was in ihrer Freizeit? Warum sucht sie gerade ein neues Zimmer? Eine schöne Frage zum Schluss ist: „Wie würden deine Freunde dich als Mitbewohner beschreiben?“ Sie bringt die meisten zum Schmunzeln und liefert trotzdem eine ehrliche Antwort.
Fragen, die der Bewerber stellen sollte
Ein WG-Casting ist keine Einbahnstraße. Wer sich auf ein Zimmer bewirbt, sollte genauso prüfen, ob die WG zu ihm passt. Sinnvolle Fragen sind zum Beispiel: Warum zieht die bisherige Person aus? Was ist in der Miete alles enthalten? Gibt es einen eigenen Mietvertrag oder einen Untermietvertrag? Welche Möbel bleiben da? Und: Bis wann entscheidet ihr euch?
Als WG tut ihr gut daran, diese Fragen aktiv anzubieten. Kandidaten, die gar nichts fragen, sind oft weniger interessiert, als sie wirken – oder einfach nervös. Beides ist eine wertvolle Information.
Fragebogen zusammenstellen und ausdrucken
Wähle die Fragen aus, die zu eurer WG passen. Die Zahl unten zeigt dir, wie viele es schon sind. Beim Drucken bekommst du einen Fragebogen mit Feldern für Name, Termin und Gesprächsführung sowie Platz für Notizen unter jeder Frage. Wenn du dich nicht festlegen willst, druckst du einfach den kompletten Katalog.
Tipp die Fragen an, die du im Gespräch stellen willst. Danach druckst du deinen Fragebogen mit Platz für Notizen aus oder speicherst ihn als PDF.
Alltag & Sauberkeit
Gemeinschaft
Finanzen
Gäste & Partner
Lärm & Ruhezeiten
Persönliches & Kennenlernen
Fragen, die der Bewerber stellen sollte
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Ein Tipp: Druckt für jedes Gespräch einen eigenen Bogen aus. Wer sich direkt nach dem Termin zwei, drei Stichworte notiert, kann am Abend noch auseinanderhalten, wer die Person mit dem Fahrradladen und wer die mit dem Hund war.
Erste Runde, zweite Runde
Bei begehrten Zimmern kommen schnell 15 oder 20 Leute zum Casting. Dann lohnt es sich, die Fragen auf zwei Runden zu verteilen. In der ersten Runde geht es um das Bauchgefühl und die Ausschlusskriterien: Passt der grobe Lebensstil, ist die Miete machbar, stimmt das Einzugsdatum? Dafür reichen vier, fünf Fragen aus den Bereichen Kennenlernen, Finanzen und Ruhezeiten.
Die zwei oder drei Favoriten ladet ihr anschließend zu einem längeren Treffen ein, gern bei einem gemeinsamen Abendessen. Jetzt ist Zeit für die tieferen Themen: Wie geht die Person mit Konflikten um, wie stellt sie sich gemeinsame Abende vor, wie sieht es mit Besuch und Partnern aus? In entspannter Atmosphäre erfährst du hier oft mehr als in jedem strukturierten Gespräch.
Welche Fragen beim WG-Casting tabu sind
Nicht alles, was neugierig macht, gehört ins Gespräch. Fragen nach Religion, Herkunft, sexueller Orientierung, Schwangerschaft oder Gesundheit sind unangebracht. Auch wenn für private WGs teilweise Ausnahmen vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gelten: Solche Fragen sorgen für ein unangenehmes Gespräch und sagen wenig darüber aus, ob ihr gut zusammenwohnen könnt.
Ebenfalls fehl am Platz sind Fangfragen und Tests. Ein Casting ist ein Kennenlernen auf Augenhöhe, kein Assessment-Center. Die besten Gespräche entstehen, wenn beide Seiten entspannt sind.
Nach dem Casting: gemeinsam entscheiden
Wenn alle Gespräche gelaufen sind, beginnt der schwierigste Teil: die Entscheidung. Damit nicht derjenige gewinnt, der am Ende der Diskussion am lautesten ist, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen. Jeder Mitbewohner bewertet die Kandidaten zuerst für sich, erst danach vergleicht ihr.
Dafür haben wir die kostenlose WG-Casting-Bewertung gebaut. Ihr legt eure Kriterien fest – etwa Sympathie, Sauberkeit und Lebensstil –, gewichtet sie und vergebt pro Kandidat 1 bis 5 Punkte. Das Tool berechnet daraus ein Ranking und zeigt, wie einig ihr euch seid. Wer eine Person auf keinen Fall möchte, kann ein Veto einlegen.
Und auch der Teil davor lässt sich vereinfachen: Statt Termine per Chat hin- und herzuschieben, können Interessenten bei besichtigung.app selbst einen freien Slot fürs WG-Casting buchen. Ihr bekommt alle Anfragen an einem Ort, und jeder Mitbewohner kann die Kandidaten direkt in der App bewerten.