Wie läuft ein WG-Casting ab?
Ein WG-Casting ist im Grunde ein Kennenlernen in mehreren Runden. Ihr veröffentlicht eine
Anzeige, sichtet die Nachrichten und ladet die Leute ein, die auf dem Papier passen. Viele WGs
vergeben dafür feste Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten, manche laden auch mehrere
Interessenten gleichzeitig zu einem lockeren Abend ein. Bei beliebten Zimmern folgt oft eine
zweite Runde mit den zwei oder drei Favoriten – dann gerne länger und entspannter, etwa beim
gemeinsamen Kochen.
Damit der Abend nicht im Chaos endet, hilft eine klare Struktur: Wer öffnet die Tür, wer zeigt
das Zimmer, wer stellt die Fragen? Plant zwischen den Terminen ein paar Minuten Puffer ein, um
kurz Notizen zu machen. Genau hier setzt die Bewertung oben an: Jeder Mitbewohner vergibt
direkt nach dem Gespräch seine Punkte, solange der Eindruck noch frisch ist. Nach fünf oder
sechs Gesprächen verschwimmen die Gesichter sonst schneller, als einem lieb ist. Und wenn ihr
die Termine nicht mehr per Chat koordinieren wollt, können Interessenten bei besichtigung.app ihren Slot selbst buchen.
Welche Bewertungskriterien sind sinnvoll?
Die Vorlagen im Tool decken das ab, worüber sich WGs am häufigsten streiten oder freuen:
- Sympathie: Das Bauchgefühl. Könnt ihr euch vorstellen, abends zusammen in der Küche zu sitzen?
- Sauberkeit: Nicht die Frage, ob jemand „ordentlich“ ist (das sagt jeder), sondern wie die Person über Putzplan,
Abwasch und Bad spricht.
- Lebensstil passt: Frühaufsteher oder Nachteule, viel Besuch oder lieber Ruhe, Zweck-WG oder Familienersatz.
- Zuverlässigkeit: Pünktlich zum Termin gekommen, auf Nachrichten reagiert, Absprachen eingehalten?
- Finanzen: Kann die Person die Miete dauerhaft stemmen? Hier reicht meist eine offene Frage nach Job, Ausbildung
oder BAföG.
Passt die Liste an eure WG an. Eine ruhige Arbeits-WG gewichtet „Lebensstil“ vielleicht als
sehr wichtig, eine Party-WG fragt eher nach der Lust auf gemeinsame Abende. Wichtig ist, dass
ihr die Kriterien vor dem ersten Termin festlegt – sonst passt man sie unbewusst an den
Lieblingskandidaten an. Konkrete Fragen für das Gespräch findest du in unserem Fragenkatalog fürs WG-Casting .
Fair entscheiden: So vermeidet ihr typische Fehler
Der häufigste Fehler ist, dass die lauteste Stimme in der WG-Gruppe entscheidet. Deshalb
bewertet jeder zunächst für sich, ohne die Punkte der anderen zu sehen. Erst danach schaut ihr
gemeinsam auf das Ergebnis. Das Tool zeigt neben dem Durchschnitt auch, wie einig ihr euch
seid: Liegt ein Kandidat auf Platz eins, aber mit geringer Einigkeit, hat ihn vermutlich eine
Person begeistert und eine andere skeptisch gesehen. Das ist ein guter Moment, um
nachzufragen, statt einfach die Zahl entscheiden zu lassen.
Das Veto ist für echte Ausschlussgründe gedacht – etwa wenn sich jemand respektlos verhalten
hat oder eine Person sich bei dem Gedanken an das Zusammenwohnen schlicht unwohl fühlt.
Sprecht vorher ab, ob ein Veto bei euch bindend ist. Viele WGs handhaben es so, dass wer im
Zimmer nebenan wohnt, etwas mehr Gewicht hat.
Achtet außerdem darauf, Kandidaten nicht nach Herkunft, Religion, Geschlecht oder ähnlichen
Merkmalen zu bewerten. Für private WGs gelten zwar teils Ausnahmen vom
Gleichbehandlungsgesetz, fair ist eine solche Auswahl trotzdem nicht. Bewertet, was für das
Zusammenleben wirklich zählt: Verhalten, Erwartungen und Gewohnheiten.
Absage nach dem WG-Casting formulieren
Wer nicht genommen wird, freut sich trotzdem über eine Rückmeldung – am besten innerhalb von
zwei, drei Tagen. Eine kurze, freundliche Absage reicht völlig, eine ausführliche Begründung
ist nicht nötig. Zum Beispiel:
Hi Lea, danke, dass du am Mittwoch bei uns warst – wir fanden das Gespräch echt nett. Wir
haben uns inzwischen für jemand anderen entschieden, weil es bei den Tagesabläufen am besten
gepasst hat. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Suche und hoffen, du findest bald ein
schönes Zimmer!
Wartet mit den Absagen, bis eure Wunschperson zugesagt hat. Fällt sie doch noch ab, könnt ihr
ohne Peinlichkeit auf Platz zwei zurückgreifen – das Ranking aus dem Tool hilft euch dabei.
Weitere Textbausteine für Einladung, Erinnerung und Absage findest du bei den E-Mail-Vorlagen für Besichtigungen .